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Psychologe gesucht?

17. Juli 2009

Dann sind Sie hier richtig! Schauen Sie doch einfach mal vorbei – es wird garantiert eine Schulter zum Anlehnen und Ausheulen für Sie verfügbar sein oder, wenn Sie wollen auch nur ein Kummerkasten. Ein Kummerkasten in den man seinen ganzen seelischen Müll hineinwerfen und hinterher am liebsten noch hineintreten kann. Gefällt Ihnen das? So come here and vent your spleen .. 

Geht man denn so mit seinen hilfsbereiten Mitmenschen um? Ist es vielleicht eine Art Trend, sich anderen gegenüber so zu verhalten? Wirklich mal. Das kann doch nicht wahr sein. Zuerst da ist das Problem so riiiieeesen groß, dass man es einfach nicht bewältigt bekommt und man sucht sich jemanden, dem man sich anvertraut. So weit so gut. Zapzerap. Jemand passenden gefunden und los geht’s. Erst einmal wird alles, aber auch wirklich alles, durch den Kakao gezogen. Erste Runde geschafft. Dann geht es ans eigentliche Problem. Manchmal möchten die Patienten, dass man ihnen einfach nur zuhört. (Liebe Patienten. Es ist völlig in Ordnung, wenn ihr nur Zuhörer sucht, aber dann sagt das von vornherein – dann lässt man nämlich alles fein gepackt und geschnürt durch den Spamfilter laufen und schon ist die Sache geritzt.) Der Großteil an Patienten aber will, dass man ihnen  hilft – d.h. Spamfilter aus, Gehirnzellen an. Man reißt sich also sprichwörtlich den Allerwertesten auf, um bei dem Gespräch auf einen grünen Zweig zu kommen, auch wenn er noch so klein ist. Das würde bei Fachleuten ein Vermögen kosten, aber wofür gibt’s denn die Freunde? Nun denn, Gespräch beendet – der Patient bedankt sich für die Hilfe und lässt verlauten, dass es keinen besseren Freund gibt, als den Therapierenden. Man hat sich ja schließlich alles angehört, versucht eine Lösung zu finden und zum Schluss – wie es eben Sitte ist bei Fachleuten – versprochen niemandem etwas zu verraten, das Geheimnis für sich zu behalten. An sich eine schöne Sache. Freundschaftsdienst. Unter der Rubrik wird das Ganze verbucht. Alle sind glücklich: Der Patient konnte sein Problem lösen und der Therapierende wurde als bester Freund eingestuft. Ein größeres Lob gibt es doch für getane Dienste nicht oder? 

Alles nur Lug und Betrug. Der Patient hat die ganze Sache schnell wieder vergessen und widmet sich seinen neuen besten Freunden. Und wer steht wieder alleine da? Richtig. Der ewig einsame, allen zuhörende, alles verstehende, tolerierende und verzeihende Psychologe für alle Fälle.